MIM/PSSM, KPU, HPU etc. Namen sind Schall und Rauch
Namen sind Schall und Rauch – Warum wir über Symptome sprechen müssen, statt über Diagnosen zu streiten In der Fachwelt der Pferdegesundheit tobt seit Jahren ein regelrechter „Glaubenskrieg“. Sobald Begriffe wie KPU, HPU, PSSM2 oder MIM fallen, wird es emotional. Die einen sehen darin den Schlüssel zu langjährigen Problemen, die anderen tun diese Begriffe als […]
10 April 2026
Namen sind Schall und Rauch – Warum wir über Symptome sprechen müssen, statt über Diagnosen zu streiten
In der Fachwelt der Pferdegesundheit tobt seit Jahren ein regelrechter „Glaubenskrieg“. Sobald Begriffe wie KPU, HPU, PSSM2 oder MIM fallen, wird es emotional. Die einen sehen darin den Schlüssel zu langjährigen Problemen, die anderen tun diese Begriffe als bloßes Marketing oder wissenschaftlich unhaltbar ab.
In der Praxis stehen wir jedoch vor einem ganz anderen Problem: Während über die Validität von Testverfahren und die Exaktheit von Begrifflichkeiten gestritten wird, zeigen immer mehr Pferde massive Symptome, die genau in diese Raster fallen.
Die Diskrepanz zwischen Theorie und Stallgasse
Es ist absolut berechtigt, Begrifflichkeiten differenziert zu betrachten. Viele dieser Bezeichnungen sind Versuche, komplexe Stoffwechselentgleisungen greifbar zu machen, und die Tests liefern nicht immer das schwarz-weiße Ergebnis, das wir uns wünschen würden.
Doch aus der täglichen Arbeit mit den Tieren muss man klar sagen: Man kann den Namen gegenüber skeptisch sein – aber man kann nicht über die Symptomatik streiten. Die Pferde zeigen uns deutlich, dass etwas nicht stimmt. Ob wir das Kind nun KPU nennen oder als unspezifische Stoffwechselstörung bezeichnen, ändert nichts an der Belastung für das betroffene Tier.
Warum zeigen unsere Tiere diese Symptome?
Anstatt uns in akademischen Definitionskämpfen zu verlieren, müssen wir den Blick auf den Hintergrund richten. Warum sehen wir heute eine so enorme Zunahme an Pferden mit Rittigkeitsproblemen, Muskelabbau, Hautthematiken und chronischer Erschöpfung?
Die Antwort liegt in einer Welt, die sich immer weiter von den biologischen Grundbedürfnissen des Pferdes entfernt hat. Es ist die Summe der Faktoren, die den Organismus heute überfordert:
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Unnatürliche Lebensbedingungen: Wir geben uns Mühe, aber unsere Pferde leben heute in einer künstlichen Umwelt. Das beginnt beim oft zu frühen Absetzen, was die Entwicklung des Mikrobioms (der Darmflora) nachhaltig stört, und reicht bis hin zu instabilen Herdenstrukturen, die permanenten Stress für ein Fluchttier bedeuten.
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Chemische Addition: Wir leben in einer Zeit der chemischen Einflüsse. Impfungen und Wurmkuren sind Teil der modernen Prophylaxe, stellen aber jedes Mal einen Eingriff in den Stoffwechsel dar. Hinzu kommen Schwermetalle im Wasser, Rückstände von Düngemitteln und Pestiziden im Futter.
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Ausgelaugte Ressourcen: Unsere Böden sind nicht mehr das, was sie vor 50 Jahren waren. Die Nährstoffdichte sinkt, während der Bedarf des Pferdes durch den Stress der modernen Umwelt gleichzeitig steigt.
Den Fokus zurück auf das Tier
Wenn ein Organismus an seine Grenzen kommt, fängt er an, Symptome zu produzieren. Wenn Entgiftungsorgane wie Leber und Nieren durch Umweltgifte und Chemie im Dauereinsatz sind und das Mikrobiom im Darm nicht mehr stabil ist, bricht das System an der schwächsten Stelle ein.
Ob wir dieses „Einbrechen“ dann KPU, PSSM2 oder anders nennen, ist für den therapeutischen Ansatz fast zweitrangig. Entscheidend ist zu erkennen, dass das Pferd Hilfe braucht, um mit diesen Bedingungen umgehen zu können.
Fazit: Wir sollten aufhören, Energie in den Streit um Begrifflichkeiten zu investieren. Eine Diagnose auf dem Papier heilt kein Pferd. Was hilft, ist das Verständnis für die Hintergründe. Wir müssen den Organismus dort unterstützen, wo die moderne Welt ihn überfordert. Wenn wir die Ursachen – den Stress, die Chemie und den Nährstoffmangel – ernst nehmen, verschwindet die Symptomatik oft ganz ohne Namen.
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