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Wildpferde fressen anders als gedacht – was die Buchanan-Studie 2025 zeigt
Was fressen Wildpferde wirklich? Mehr als nur Gras Wildpferde fressen deutlich vielfältiger, als viele denken.Sie nehmen nicht nur Gras auf, sondern auch Kräuter, Sträucher, Rinden und saisonale Pflanzen. Studien wie die von Buchanan (2025) zeigen, dass Gras oft nur etwa die Hälfte ihrer Nahrung ausmacht – in manchen Phasen sogar deutlich weniger. Warum unsere Pferde […]
22 April 2026
Was fressen Wildpferde wirklich? Mehr als nur Gras
Wildpferde fressen deutlich vielfältiger, als viele denken. Sie nehmen nicht nur Gras auf, sondern auch Kräuter, Sträucher, Rinden und saisonale Pflanzen.
Studien wie die von Buchanan (2025) zeigen, dass Gras oft nur etwa die Hälfte ihrer Nahrung ausmacht – in manchen Phasen sogar deutlich weniger.
Warum unsere Pferde mehr brauchen als Heu, Gras und Mineralfutter
Wir alle tragen ein ähnliches Bild im Kopf: Ein Pferd steht auf der Weide, senkt den Kopf und frisst Gras. Ruhig, gleichmäßig, scheinbar einfach. Doch dieses Bild ist – wenn man genauer hinschaut – nur ein Ausschnitt.
In der modernen Pferdehaltung haben wir die Ernährung stark vereinfacht: Heu, Gras, Mineralfutter. Fertig. Was dabei oft fehlt, ist eine einfache, aber entscheidende Frage: Entspricht das eigentlich noch dem, was ein Pferd biologisch „erwartet“?
Die Lektion der Wildpferde
Ein spannender Impuls kommt aus der Beobachtung frei lebender Pferde – unter anderem durch Menschen wie Katrin Bockstette, die Mustangs in ihrem natürlichen Lebensraum begleitet. Ergänzt wird das durch aktuelle wissenschaftliche Arbeiten, wie die von Buchanan (2025).
Was dort sichtbar wird, ist ziemlich klar: Wildpferde sind keine „Grasfresser im engeren Sinne“. Sie nutzen – je nach Region und Jahreszeit – eine breite Palette an Pflanzen:
Gräser (klar, aber eben nicht ausschließlich)
Kräuter
Sträucher und Gehölze
Rinden und tiefwurzelnde Pflanzen
Und das Entscheidende dabei: Sie fressen nicht zufällig. Sie wählen aus. Man spricht hier von „opportunistischen Selektierern“. Das bedeutet: Pferde nehmen gezielt unterschiedliche Pflanzen auf – wahrscheinlich abhängig davon, was ihr Körper gerade benötigt.
Warum Vielfalt möglicherweise auch für das Darmmikrobiom eine wichtige Rolle spielt, wird heute zunehmend diskutiert.
Blick in die Forschung: Was zeigt die Studie konkret?
Die Arbeit von Buchanan (Buchanan-Studie 2025) untersuchte die tatsächliche Futterwahl in 16 verschiedenen Lebensräumen (Herd Management Areas). Dabei wurde mit modernen Methoden (DNA-Analysen, sogenanntes Metabarcoding) nicht nur geschaut, was wächst – sondern was wirklich gefressen wird.
Die zentralen Beobachtungen:
Die 50%-Marke: Im Durchschnitt bestand die Nahrung oft nur etwa zur Hälfte aus Gräsern. In kargen Phasen sank dieser Anteil teilweise sogar auf rund 10 %.
Saisonale Dynamik: Pferde passen ihre Auswahl sehr flexibel an. Wenn Gräser an Qualität verlieren, weichen sie verstärkt auf Kräuter und Sträucher aus.
Mehr als nur „Bodenfresser“: Mustangs nutzen nicht nur das, was am Boden wächst, sondern auch Blätter, Zweige und andere Pflanzenteile.
Was dabei deutlich wird: Vielfalt ist kein Zufall – sie ist Teil des Systems.
Moderne Fütterung: Einseitige Basis aus Heu und Gras (Monotonie).
Biologische Erwartung: Hohe Vielfalt durch Kräuter, Sträucher und Rinden.
Vielfalt außen = Vielfalt innen
Diese äußere Vielfalt spiegelt sich im Inneren wider – im Darm. Studien wie die von Metcalf et al. (2017) zeigen, dass sich das Mikrobiom von Wildpferden deutlich von dem unserer Hauspferde unterscheidet. Wildpferde besitzen eine deutlich höhere mikrobielle Vielfalt. Und das ist mehr als nur ein Detail. Das Mikrobiom ist ein aktives System, das mit dem arbeitet, was ihm angeboten wird. Oder einfacher gesagt: Wenn draußen wenig Vielfalt ist, wird es drinnen oft auch ruhiger.
Das eigentliche Problem: Ein leeres Buffet
Viele unserer heutigen Weiden sind auf Ertrag optimiert, stark genutzt und artenarm. Im Grunde: grün, aber einseitig. Das Pferd bringt jedoch immer noch sein ursprüngliches Programm mit: ➡️ auswählen ➡️ kombinieren ➡️ variieren
Nur fehlt häufig die Grundlage dafür. Diese Diskrepanz zwischen innerem Bedarf und äußerem Angebot ist ein Punkt, über den man ruhig öfter nachdenken darf – gerade im Zusammenhang mit vielen heutigen Themen rund um Stoffwechsel und Haut.
Was bedeutet das für die Praxis?
Es geht nicht darum, die Wildnis nachzubauen. Aber es geht darum, den Blick etwas zu weiten. Statt nur zu fragen: 👉 „Ist das Pferd satt?“ könnte man sich fragen: 👉 „Wie vielfältig ist das, was es bekommt?“
Ein paar einfache Ansätze:
Struktur anbieten: Zweige, Rinden oder unterschiedliche Pflanzenstrukturen sind kein „Abfall“, sondern Teil des natürlichen Spektrums.
Selektion ermöglichen: Kontrollierte „Snack-Spaziergänge“ an geeigneten Randbereichen können dem natürlichen Verhalten Raum geben.
Das Buffet erweitern: Dort, wo unsere Flächen wenig Vielfalt bieten, kann es sinnvoll sein, ergänzend zu denken.
Fazit
Ein Körper kann nur so differenziert arbeiten, wie das „Buffet“ es zulässt. Wenn man versteht, dass Vielfalt kein Luxus, sondern ein grundlegender Bestandteil dieses Systems ist, verändert sich der Blick auf Fütterung oft ganz von allein.
Aus diesem Blickwinkel lohnt sich auch ein kurzer Blick auf unser heutiges Grundfutter: Eine Ernährung, die fast ausschließlich auf Heu basiert, ist aus rein biologischer Sicht unnatürlich. Heu ist eine wichtige Konserve für unsere Haltung, aber es bildet eben nur einen winzigen Bruchteil dessen ab, worauf das ursprüngliche System des Pferdes eigentlich ausgelegt ist.
Die Natur kennt kein dauerhaft gleichbleibendes Futter –sie lebt von Wechsel, Auswahl und lebendiger Vielfalt.
Schau dir dein Pferd beim nächsten Besuch einmal mit anderen Augen an: Was würde es wählen, wenn das Buffet wirklich offen wäre?
Quellen & weiterführende Infos
Buchanan, C. E., et al. (2025). Free-Roaming Horse Diet… Rangeland Ecology & Management.
Metcalf, J. L., et al. (2017). Evaluating the impact of domestication… Scientific Reports.
Inspiration aus der Praxis: Katrin Bockstette (@katrin_bockstette_wild_horses)
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