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Sommerekzem beim Pferd – Warum die Ursachen oft komplexer sind als gedacht

Sommerekzem beim Pferd – Mehr als nur die Kriebelmücke? Die Ausprägung des Sommerekzems schwankt bei vielen Pferden von Jahr zu Jahr erheblich. Während betroffene Tiere in einer Saison kaum Symptome zeigen, kann der Juckreiz im darauffolgenden Jahr massiv sein. Das wirft eine Frage auf, die sich nahezu jeder Ekzemer-Besitzer schon einmal gestellt hat: Warum zeigen […]

02 Juni 2026

Sommerekzem beim Pferd – Mehr als nur die Kriebelmücke?

Die Ausprägung des Sommerekzems schwankt bei vielen Pferden von Jahr zu Jahr erheblich. Während betroffene Tiere in einer Saison kaum Symptome zeigen, kann der Juckreiz im darauffolgenden Jahr massiv sein. Das wirft eine Frage auf, die sich nahezu jeder Ekzemer-Besitzer schon einmal gestellt hat: Warum zeigen manche Pferde trotz gleicher Haltung und unveränderter Weidebedingungen nicht jedes Jahr dieselbe Symptomatik? Die jährlichen Schwankungen werfen die Frage auf, ob neben dem Kontakt mit Kriebelmücken noch weitere Faktoren Einfluss auf die Ausprägung des Sommerekzems nehmen könnten.

Klassischerweise wird das Sommerekzem als reine allergische Reaktion auf den Speichel von Kriebelmücken (Culicoides) definiert. In der Praxis zeigt sich jedoch schnell: Diese monokausale Erklärung greift oft zu kurz. Die jährlichen Schwankungen und die Unterschiede zwischen Pferden in derselben Herde deuten darauf hin, dass hier noch ganz andere Rädchen im Organismus ineinandergreifen.

 

Das multifaktorielle Geschehen: Welche Faktoren werden diskutiert?

Heute gehen viele Fachleute davon aus, dass das Sommerekzem selten eine einzige Ursache hat, sondern vielmehr das Ergebnis eines multifaktoriellen Geschehens ist. Zu den wesentlichen Einflussfaktoren gehören:

 

  • Genetische Veranlagung: Bestimmte Rassen (z. B. Islandpferde, Tinker, Haflinger) bringen oft eine höhere Disposition mit.

  • Insektenbelastung: Die Intensität des Kontakts mit Gnitzen und Kriebelmücken, stark abhängig vom Wetter.

  • Haltungsbedingungen: Weidezeiten, Offenstall vs. Box, Nähe zu Fließgewässern oder Waldrändern.

  • Die Fütterung: Die Basis für die Belastbarkeit des gesamten Organismus.

  • Die Stoffwechselsituation: Die Kapazität der inneren Organe und das Gleichgewicht im System.

  • Stress und Belastungen: Veränderungen im Umfeld, Training, Krankheiten oder andere Belastungen werden ebenfalls als mögliche Einflussfaktoren diskutiert.

Es geht selten um ein einfaches „Ursache-Wirkungs-Prinzip“, sondern darum, wie viele Belastungsfaktoren zusammenkommen, bis das sprichwörtliche Fass zum Überlaufen gebracht wird.

 

Die Rolle der Spurenelemente: Zink, Kupfer, Mangan und Selen

Eine bedarfsgerechte Fütterung bildet das Fundament für zahlreiche Stoffwechselvorgänge und eine funktionierende Barrierefunktion der Haut. Diese Nährstoffe sind an wichtigen Prozessen beteiligt und werden deshalb auch im Zusammenhang mit Haut und Fell immer wieder diskutiert. Nicht jedes Pferd mit Sommerekzem weist automatisch einen Mangel auf. Dennoch gehört die Versorgung mit Spurenelementen zu den Faktoren, die häufig näher betrachtet werden:

  • Zink: Unverzichtbar für die Zellteilung und die Wundheilung der Haut.

     

  • Kupfer: Wichtig für die Pigmentierung, das Bindegewebe und die Verwertung von Eisen.

     

  • Mangan: Spielt eine tragende Rolle im Kohlenhydrat- und Fettstoffwechsel.

     

  • Selen: Schützt als Antioxidans die Zellen vor oxidativem Stress.

     

Liegt hier ein Mangel vor, kann sich dies direkt auf die Beschaffenheit von Haut und Fell auswirken. Doch wie findet man heraus, ob das Pferd wirklich optimal versorgt ist?

 

💡 Wissens-Box: Blutwerte richtig einordnen

Blutwerte sind eine Momentaufnahme. Sie spiegeln die Situation zum Zeitpunkt der Probenentnahme wider. Sie können wertvolle Hinweise liefern, zeigen jedoch nicht zwangsläufig die langfristige Versorgungssituation des Organismus. Deshalb werden Laborwerte häufig gemeinsam mit Fütterung, Vorgeschichte und klinischem Erscheinungsbild bewertet.

Sommerekzem und Leberwerte – gibt es einen Zusammenhang?

In der Praxis wird die Haut seit jeher als das „Spiegelbild des inneren Stoffwechsels“ betrachtet. Fütterungsbedingte Belastungen oder ein Ungleichgewicht im Organismus zeigen sich nicht selten über das größte Organ des Pferdes.

 

Besonders die Leber steht als zentrales Stoffwechselorgan im Fokus der Aufmerksamkeit. Wenn Pferdehalter im Stall über Zusammenhänge zwischen Leberwerten und dem Sommerekzem diskutieren, steckt dahinter die Beobachtung, dass eine hohe Stoffwechselbelastung die Reaktionslage des Körpers verändern kann.

Unbekannt

 

Die Leber übernimmt zahlreiche Aufgaben im Stoffwechsel. Deshalb wird ihr im Zusammenhang mit Hautproblemen und allergischen Reaktionen häufig Aufmerksamkeit geschenkt. Welche Bedeutung dies im Einzelfall für das Sommerekzem hat, wird unterschiedlich bewertet und dürfte von Pferd zu Pferd verschieden sein. Eine gut funktionierende Leber gilt jedoch allgemein als wesentlicher Faktor für die Belastbarkeit des Gesamtstoffwechsels.

Futterqualität und Umweltbelastungen nicht unterschätzen

Neben der reinen Zufuhr von Nährstoffen spielt die hygienische Qualität des Futters eine oft unterschätzte Rolle. Schimmelpilze in Heu oder Stroh, Staubbelastungen oder minderwertiges Kraftfutter belasten den Organismus tagtäglich. Eine rein theoretische Rationsberechnung oder Heuanalyse stößt im Pensionsstall-Alltag mit wechselnden Chargen ohnehin oft an ihre praktischen Grenzen.

 

Auch eine rein rechnerische Futterberechnung und Bedarfsanalyse liefert nur einen Teil des Gesamtbildes. Ein theoretisch ermittelter Wert sagt nicht zwangsläufig etwas darüber aus, wie gut ein Pferd die enthaltenen Nährstoffe tatsächlich aufnehmen und verwerten kann.

Zudem lohnt sich bei empfindlichen Pferden ein kritischer Blick auf stark verarbeitete Futtermittel, die mit einer Vielzahl von synthetischen Zusatzstoffen, Aromen und Konservierungsmitteln angereichert sind. Bei empfindlichen Pferden entscheiden sich viele Halter bewusst für eine möglichst übersichtliche Fütterung mit wenigen Komponenten. Dadurch lassen sich Veränderungen oft leichter beobachten und einzelne Einflussfaktoren besser einordnen.

 

Fazit: Individuelle Wege statt pauschaler Rezepte

Das Sommerekzem bleibt eine komplexe Herausforderung, für die es keine pauschale „Wunderpille“ gibt. Da jedes Pferd ein Individuum ist, unterscheidet sich auch der fütterungstechnische Ansatz von Tier zu Tier.

 

Neben dem fast unverzichtbaren Schutz vor Insekten (durch Decken, Haltungsmanagement und Repellentien) lohnt es sich immer, den Blick nach innen zu richten: Stimmt die Spurenelementversorgung? Läuft der Stoffwechsel rund? Ist das Futter sauber? Indem wir Schritt für Schritt die verschiedenen Einflussfaktoren optimieren, schaffen wir die beste Basis für mehr Gelassenheit in der Sommerzeit.

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