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PPID beim Pferd – warum das Krankheitsbild komplexer ist als viele denken
PPID beim Pferd – warum das Krankheitsbild oft komplexer ist als eine reine „Hypophysen-Erkrankung“ Leidet ein älteres Pferd unter Fellwechselproblemen, Muskelabbau, Hufrehe oder wirkt plötzlich „alt“ und stoffwechselbelastet, fällt heute häufig schnell ein Begriff: PPID. Viele Pferdehalter kennen die Erkrankung noch unter dem früheren Namen „Equines Cushing-Syndrom“. In vielen Köpfen hat sich dabei ein relativ […]
06 Mai 2026
PPID beim Pferd – warum das Krankheitsbild oft komplexer ist als eine reine „Hypophysen-Erkrankung“
Leidet ein älteres Pferd unter Fellwechselproblemen, Muskelabbau, Hufrehe oder wirkt plötzlich „alt“ und stoffwechselbelastet, fällt heute häufig schnell ein Begriff: PPID. Viele Pferdehalter kennen die Erkrankung noch unter dem früheren Namen „Equines Cushing-Syndrom“.
In vielen Köpfen hat sich dabei ein relativ klares Bild festgesetzt:
„Das Pferd hat eine Veränderung oder einen Tumor an der Hirnanhangdrüse – und deshalb entstehen die Symptome.“
Doch genau dieses Modell wird inzwischen deutlich differenzierter betrachtet.
Denn die Realität scheint häufig komplexer zu sein:
Viele Pferde zeigen keine klar abgrenzbare Einzelerkrankung, sondern vielmehr einen gesamten Symptomkomplex aus Alterung, Stoffwechselveränderungen, hormonellen Verschiebungen, Stressbelastung und Regulationsstörungen.
Vom „Equinen Cushing“ zu PPID – warum sich das Verständnis verändert hat
Früher wurde beim Pferd überwiegend vom „Equinen Cushing-Syndrom“ gesprochen.
Heute wird dagegen meist der Begriff PPID (Pituitary Pars Intermedia Dysfunction) verwendet.
Der Grund:
Das Krankheitsbild beim Pferd scheint nicht identisch mit dem klassischen Cushing-Syndrom des Menschen oder Hundes zu sein.
Während beim klassischen Cushing dauerhaft erhöhte Cortisolwerte im Mittelpunkt stehen, diskutiert die moderne Forschung beim Pferd deutlich komplexere Zusammenhänge:
Veränderungen der dopaminergen Regulation
neurodegenerative Prozesse
Alterungsmechanismen
hormonelle Dysbalancen
Stoffwechselveränderungen
chronische Belastungsprozesse
Veränderungen der Pars intermedia der Hypophyse werden bei vielen betroffenen Pferden durchaus beschrieben. Gleichzeitig stellt sich zunehmend die Frage:
Sind diese Veränderungen immer die alleinige Ursache — oder möglicherweise Teil eines größeren Gesamtgeschehens?
Der Körper denkt nicht in Diagnosen
Menschen brauchen Diagnosen, um Symptome einzuordnen.
Der Körper dagegen arbeitet über komplexe Regelkreise.
Wenn ein Pferd über Jahre unter verschiedenen Belastungen steht, entstehen häufig Veränderungen auf mehreren Ebenen gleichzeitig:
hormonell
neurologisch
immunologisch
stoffwechselbezogen
muskulär
entzündungsbedingt
Am Ende zeigt das Pferd dann einen Symptomkomplex:
Fellprobleme, Muskelabbau, Hufrehe, Leistungsschwäche, Fettumverteilung oder veränderte Regeneration.
Wir Menschen geben diesem Muster anschließend einen Namen.
Das bedeutet jedoch nicht automatisch, dass nur eine einzige Ursache dahintersteht.
Symptome sind oft nicht exklusiv für PPID
Typische Symptome, die häufig mit PPID in Verbindung gebracht werden:
verzögerter Fellwechsel
langes oder lockiges Fell
Muskelabbau
Pendelbauch
Hufrehe
vermehrtes Schwitzen
Leistungsschwäche
Infektanfälligkeit
vermehrtes Trinken und Harnen
Das Problem:
Viele dieser Symptome können auch bei anderen Belastungen auftreten.
Nicht jedes Pferd passt sauber in eine diagnostische Schublade.
ACTH-Werte – hilfreich, aber nicht schwarz-weiß
Zur Diagnose von PPID wird häufig der ACTH-Wert herangezogen.
Was viele Pferdehalter nicht wissen:
ACTH ist kein völlig starrer Wert.
Beeinflusst werden kann er unter anderem durch:
Jahreszeit
Schmerzen
Entzündungen
Transport
Fütterung
Alter
individuelle Unterschiede
Stresssituationen
Gerade Stress spielt hierbei eine wichtige Rolle. Bereits die Blutentnahme selbst, der Transport in die Klinik oder ungewohnte Situationen können bei manchen Pferden eine Stressreaktion auslösen — unabhängig davon, ob das Pferd äußerlich sichtbar nervös wirkt oder nicht.
Denn viele Pferde zeigen Stress nicht offensichtlich nach außen, reagieren innerlich jedoch trotzdem über hormonelle Regelkreise.
Deshalb sollte ein ACTH-Wert niemals isoliert betrachtet werden, sondern immer im Zusammenhang mit:
klinischen Symptomen,
Jahreszeit,
Gesamtsituation des Pferdes
und möglichen Belastungsfaktoren.
Aus diesem Grund werden bei unklaren Fällen teilweise Verlaufskontrollen oder ergänzende Tests eingesetzt.
ACTH kann ein wichtiger Baustein sein.
Er ersetzt jedoch nicht die Betrachtung des gesamten Pferdes.
Ein Blick aus der Praxis: Warum Stoffwechsel und Hormonsystem oft zusammenhängen
Gerade in der Praxis zeigt sich häufig, dass Pferde mit typischen „PPID-Symptomen“ nicht immer ein einheitliches Bild zeigen.
Viele Therapeuten und Pferdehalter beobachten:
starke individuelle Unterschiede,
wechselnde Symptomlagen,
Überschneidungen mit anderen Stoffwechselthemen
und teilweise deutliche Veränderungen durch Management, Fütterung und allgemeine Stoffwechselentlastung.
Dabei spielen möglicherweise verschiedene Ebenen gleichzeitig eine Rolle:
Mineralstoffversorgung
hormonelle Regulation
Stressachsen
Stoffwechselbelastung
Entzündungsprozesse
Regeneration
Aus der Praxis wird immer wieder berichtet, dass gerade ältere Pferde oder Pferde mit langjähriger Belastung häufig komplexe Regulationsstörungen zeigen, die sich nicht ausschließlich über eine einzige Diagnose erklären lassen.
Können auch andere Faktoren eine Rolle spielen?
In der Praxis werden immer wieder mögliche Zusammenhänge diskutiert, beispielsweise:
Störungen im allgemeinen Hormongleichgewicht,
chronische Stoffwechselbelastungen,
langjährige Stressbelastung,
altersbedingte Veränderungen,
Mineralstoffimbalancen.
Auch Themen wie Selenversorgung oder hormonelle Veränderungen bei kastrierten Wallachen werden von einigen Therapeuten und Pferdehaltern immer wieder beobachtet und diskutiert.
Gerade bei Wallachen stellt sich aus praktischer Sicht manchmal die Frage, ob hormonelle Veränderungen nach der Kastration langfristig Einfluss auf Stoffwechsel, Muskelregulation oder allgemeine Regulationsprozesse haben könnten.
Wichtig ist dabei:
Solche Beobachtungen stammen häufig aus der Praxis und individuellen Erfahrungen. Sie ersetzen keine pauschale Ursache-Wirkung-Aussage und sollten immer im Gesamtbild des jeweiligen Pferdes betrachtet werden.
Der Stoffwechsel als Grundlage der Regulation
Wenn man PPID nicht ausschließlich als isolierte „Defekt-Erkrankung“ betrachtet, sondern als Teil eines komplexen Regulationsgeschehens, verändert sich häufig auch der Blick auf die praktische Begleitung dieser Pferde.
Gerade ältere Pferde zeigen oft nicht nur einzelne Symptome, sondern ein Zusammenspiel verschiedener Faktoren:
Stoffwechselbelastung,
hormonelle Veränderungen,
Muskelabbau,
Stressbelastung,
reduzierte Regenerationsfähigkeit
und altersbedingte Anpassungsprozesse.
Dadurch rückt für viele Pferdehalter und Therapeuten weniger die reine Symptombezeichnung in den Mittelpunkt, sondern vielmehr die Frage:
Wie kann der Organismus insgesamt entlastet und unterstützt werden?
In der Praxis spielen dabei häufig Themen wie:
bedarfsgerechte Fütterung,
Mineralstoffversorgung,
Stressreduktion,
Bewegungsmanagement,
Stoffwechselentlastung
und eine möglichst individuelle Betrachtung des Pferdes eine wichtige Rolle.
Viele Pferdehalter erleben gerade bei älteren Pferden, dass nicht ein einzelner Faktor entscheidend ist, sondern das Zusammenspiel vieler kleiner Stellschrauben.
Der Körper arbeitet dabei nicht isoliert, sondern über komplexe Regelkreise, die ständig versuchen, innere Balance aufrechtzuerhalten.
Ein hoher ACTH-Wert oder die Diagnose PPID ist kein Endpunkt, sondern möglicherweise ein Hinweis darauf, dass die inneren Regelkreise Unterstützung benötigen.
Wer das Pferd nicht als kaputte Maschine, sondern als komplexes System versteht, das nach Balance strebt, eröffnet gerade im Alter oft neue Wege der Begleitung.
Denn je komplexer ein Organismus ist, desto seltener gibt es nur eine einzige Ursache.
Gerade deshalb lohnt sich häufig ein ganzheitlicher Blick auf das gesamte Pferd — insbesondere bei älteren Pferden mit länger bestehenden Stoffwechsel- oder Regulationsproblemen.
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