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Das Mikrobiom im Fokus: Butyrat und Vitalpilze in der Pferdefütterung

Wenn man sich länger mit Pferdegesundheit beschäftigt, landet man früher oder später beim Darm. Und das aus gutem Grund. Der Dickdarm ist beim Pferd kein „Anhängsel“ der Verdauung, sondern ein zentraler Ort, an dem ein großer Teil der Versorgung überhaupt erst möglich wird. Dort lebt das Mikrobiom – eine komplexe Gemeinschaft aus Milliarden Mikroorganismen, die […]

02 April 2026

Wenn man sich länger mit Pferdegesundheit beschäftigt, landet man früher oder später beim Darm. Und das aus gutem Grund. Der Dickdarm ist beim Pferd kein „Anhängsel“ der Verdauung, sondern ein zentraler Ort, an dem ein großer Teil der Versorgung überhaupt erst möglich wird.

Dort lebt das Mikrobiom – eine komplexe Gemeinschaft aus Milliarden Mikroorganismen, die eng mit dem gesamten Organismus verbunden ist. Ein Stoff, der in diesem Zusammenhang aktuell besonders viel Aufmerksamkeit bekommt, ist das Butyrat.


1. Butyrat – ein stiller Schlüssel im Hintergrund

Pferde sind darauf ausgelegt, Energie aus Pflanzenfasern zu gewinnen, die für uns Menschen unverdaulich wären. Im Dickdarm werden diese Fasern mikrobiell fermentiert. Dabei entstehen kurzkettige Fettsäuren – darunter die Buttersäure, auch Butyrat genannt.

In der Fachliteratur wird Butyrat immer wieder beschrieben, weil es in mehreren grundlegenden Bereichen eine Rolle spielt:

Zentrale Energiequelle
Es dient den Zellen der Darmschleimhaut als wichtiger Baustein für ihre kontinuierliche Erneuerung.

Barrierefunktion
Es wird im Zusammenhang mit der Stabilität der sogenannten „Tight Junctions“ beschrieben – also den Verbindungen zwischen den Darmzellen.

Darmmilieu
Es steht in Verbindung mit einem ausgeglichenen Milieu im Dickdarm.

Man könnte sagen: Butyrat arbeitet leise im Hintergrund – und ist genau deshalb so spannend.


2. Warum Vielfalt im Darm so entscheidend ist

Das Mikrobiom des Pferdes lebt von Vielfalt. Unterschiedliche Mikroorganismen übernehmen jeweils eigene Aufgaben bei der Aufspaltung verschiedener Pflanzenstrukturen.

In der modernen Haltung zeigt sich jedoch häufig ein anderes Bild:

  • begrenzte Pflanzenvielfalt auf den Weiden
  • wenig strukturelle Abwechslung im Raufutter
  • über lange Zeiträume gleichbleibende Rationen

Das ist nicht automatisch problematisch, aber es reduziert die Bandbreite an „Material“, mit dem das Mikrobiom arbeiten kann.

Ein einfaches Bild hilft hier:

Stellen Sie sich die Darmgesundheit wie ein Buffet vor.
Früher war dieses Buffet deutlich vielfältiger gedeckt – mit unterschiedlichen Pflanzenstrukturen, Rinden, Wurzeln und auch Pilzbestandteilen.

Heute sind viele dieser „Schüsseln“ weniger gefüllt.
Und wenn nur wenige Zutaten vorhanden sind, entstehen auch nur wenige „Gerichte“ – also Stoffwechselprodukte wie Butyrat.


3. Vitalpilze als Ergänzung im Fütterungskonzept

An dieser Stelle kommen Vitalpilze wie Hericium, Reishi oder Pleurotus ins Spiel. Sie enthalten besondere Strukturstoffe wie Beta-Glucane und Chitin.

Diese komplexen Verbindungen werden im oberen Verdauungstrakt kaum aufgeschlossen und erreichen den Dickdarm weitgehend unverändert.

Dort erweitern sie das Angebot am Buffet:

Strukturelle Vielfalt
Sie bringen andere Kohlenhydratstrukturen ein als klassische Grasfasern.

Erweiterung des Substratangebots
Sie liefern zusätzliche Bausteine, die mit verschiedenen mikrobiellen Prozessen in Verbindung stehen.

Untersuchungen zu Pilz-Polysacchariden beschreiben Zusammenhänge mit Butyrat-bildenden Bakterienstämmen.

Und genau hier wird das Ganze greifbar:

Bildlich gesprochen kann man sich das wie einen kleinen „Feinkostladen für die Zelle“ vorstellen.
Zusätzliche, vielfältige Bausteine, aus denen das System wählen kann – je nachdem, was gerade gebraucht wird.

Man gibt also nicht ein fertiges Ergebnis vor, sondern erweitert die Auswahl.


4. Ein Blick in die Forschung: die Darm-Muskel-Verbindung

In neueren Untersuchungen wird dieser Zusammenhang noch weiter gedacht. Studien beschreiben die Verbindung zwischen Mikrobiom, Butyrat-Stoffwechsel und körperlicher Leistungsfähigkeit.

Dabei wird eine Art „Darm-Muskel-Verbindung“ diskutiert:
Im Darm gebildete Stoffe gelangen über den Blutkreislauf auch in andere Gewebe – unter anderem in die Muskulatur – und stehen dort im Zusammenhang mit der zellulären Energieproduktion.

Das verdeutlicht: Der Darm ist nicht isoliert zu betrachten, sondern Teil eines größeren, vernetzten Systems.


Fazit

Ein stabiles Mikrobiom bildet die Grundlage für viele Prozesse im Pferdekörper. Butyrat gehört zu den Stoffen, die in diesem Zusammenhang immer wieder beschrieben werden.

Vitalpilze können dabei als eine Möglichkeit gesehen werden, die strukturelle Vielfalt im Futter zu erweitern.

Oder anders gesagt:

Wenn das Buffet wieder vielfältiger gedeckt ist – und der „Feinkostladen“ wieder geöffnet ist – kann das System daraus schöpfen.


Rechtlicher Hinweis

Dieser Beitrag dient der allgemeinen Information über ernährungsphysiologische Zusammenhänge und aktuelle Forschungsergebnisse. Er stellt keine medizinische Beratung dar und ersetzt keine tierärztliche Diagnose oder Behandlung. Vitalpilze sind Ergänzungsfuttermittel und keine Arzneimittel.

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