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Agaricus blazei Murrill (ABM): Herkunft, Geschichte und warum der Pilz so viele Namen trägt
Agaricus blazei Murrill (ABM): Herkunft, Geschichte und warum der Pilz so viele Namen trägt Zuletzt aktualisiert am: 25. Juni 2026 | Lesezeit: ca. 8 Minuten Wer sich zum ersten Mal mit Mykologie und Naturstoffen beschäftigt, stößt schnell auf eine komplexe Vielfalt an Begriffen. Besonders eine bestimmte Pilzart sorgt regelmäßig für Verwirrung, da sie in der […]
25 Juni 2026
Agaricus blazei Murrill (ABM): Herkunft, Geschichte und warum der Pilz so viele Namen trägt
Zuletzt aktualisiert am: 25. Juni 2026 | Lesezeit: ca. 8 Minuten
Wer sich zum ersten Mal mit Mykologie und Naturstoffen beschäftigt, stößt schnell auf eine komplexe Vielfalt an Begriffen. Besonders eine bestimmte Pilzart sorgt regelmäßig für Verwirrung, da sie in der Fachliteratur, in Studien und in Beschreibungen unter völlig unterschiedlichen Bezeichnungen auftaucht: der Agaricus blazei Murrill.
Mal ist vom Mandelpilz die Rede, mal vom Sonnenpilz, dann wieder schlicht von der Abkürzung ABM oder dem japanischen Namen Himematsutake. Unabhängig von der jeweiligen Bezeichnung handelt es sich stets um dieselbe Pilzart. Die verschiedenen Namen spiegeln historische, sprachliche und regionale Entwicklungen wider. Ein Blick auf die Herkunft, die Entdeckungsgeschichte und die botanischen Besonderheiten bringt Klarheit.
Die Infografik zeigt die gebräuchlichsten wissenschaftlichen und regionalen Bezeichnungen des Agaricus blazei Murrill im Überblick.
Was ist Agaricus blazei Murrill?
Der Agaricus blazei Murrill ist ein Speisepilz aus der Familie der Champignonverwandten (Agaricaceae). Im deutschsprachigen Raum wird er häufig auch den sogenannten Vitalpilzen zugeordnet. Optisch erinnert er in jungen Jahren an einen klassischen Kulturchampignon, entwickelt im Laufe des Wachstums jedoch einen charakteristischen, kastanien- bis dunkelbraunen Hut sowie einen relativ festen Stiel.
Im Vergleich zu bekannteren Traditionspilzen wie dem Reishi oder dem Shiitake, die in der asiatischen Naturheilkunde seit Jahrhunderten dokumentiert sind, ist der ABM in der westlichen Mykologie eine relative Neuentdeckung des 20. Jahrhunderts. Dennoch hat er sich in den vergangenen Jahrzehnten zu einer der weltweit am intensivsten untersuchten Pilzarten entwickelt.
Agaricus blazei Murrill (ABM)
Die Namensvielfalt: Warum gibt es so viele Bezeichnungen?
Die unterschiedlichen Bezeichnungen sind historisch, geografisch und sprachlich bedingt. Je nachdem, in welchem Kontext der Pilz betrachtet wird, steht ein anderes Merkmal im Vordergrund:
Agaricus blazei Murrill (ABM): Dies ist die wissenschaftliche Bezeichnung, die vor allem in Fachstudien und der botanischen Klassifikation verwendet wird.
Mandelpilz / Brasilianischer Mandelpilz: Diese Namen verdankt der Pilz seinem spezifischen Aroma. Frische Exemplare verströmen einen unverkennbaren Duft nach Mandeln bzw. Marzipan. Verantwortlich dafür sind bestimmte aromatische Verbindungen (wie Benzaldehyd), die im Fruchtkörper vorkommen.
Sonnenpilz (Cogumelo do Sol): In seiner südamerikanischen Heimat wird er aufgrund seiner Vorliebe für warme, sonnenreiche Standorte so genannt.
Lebenspilz (Cogumelo de Deus): Ein regionaler, traditioneller Name aus den Ursprungsregionen Brasiliens, der den Stellenwert des Pilzes in der dortigen Kultur widerspiegelt.
Himematsutake: Als der Pilz in den 1960er-Jahren nach Japan gelangte, erhielt er diesen Namen, der übersetzt in etwa „Prinzessinnen-Kiefern-Pilz“ bedeutet.
Welche Bezeichnung ist heute die richtige?
Tatsächlich sind mehrere Namen für dieselbe Pilzart im Umlauf. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Namen gehen auf Änderungen in der taxonomischen Einordnung zurück. In älterer Literatur findet sich häufig Agaricus blazei Murrill, während heute in vielen wissenschaftlichen Veröffentlichungen Agaricus subrufescens verwendet wird. Auch Begriffe wie Mandelpilz, Sonnenpilz oder Himematsutake beziehen sich in der Regel auf dieselbe Pilzart.
Wer war Murrill? Die wissenschaftliche Erstbeschreibung
Der botanische Namenszusatz „Murrill“ geht zurück auf den amerikanischen Mykologen William Alphonso Murrill(1869–1957). Murrill arbeitete viele Jahre am New York Botanical Garden und katalogisierte tausende von Pilzarten in Nord- und Südamerika. Als ihm Proben dieses Champignonverwandten vorlagen, untersuchte und klassifizierte er ihn offiziell, wodurch der Pilz seinen festen Platz in der botanischen Taxonomie erhielt.
Herkunft und Kultivierung
Die Wiege des Agaricus blazei Murrill liegt in den bergigen Regionen des subtropischen Regenwaldes in Brasilien. Dort wächst er auf humusreichen Böden, oft an Waldrändern oder auf Lichtungen, wo er den wechselnden Bedingungen von hoher Luftfeuchtigkeit und direkter Sonneneinstrahlung ausgesetzt ist.
In den 1960er-Jahren rückte der Pilz verstärkt in den Fokus japanischer Wissenschaftler. Dabei spielten Berichte über seinen traditionellen Verzehr in der brasilianischen Region Piedade eine wichtige Rolle.
Da die Wildbestände für den weltweiten Bedarf zu gering sind und unter Naturschutz stehen, wird der ABM heute international kultiviert. Die Zucht gilt unter Mykologen als anspruchsvoll: Im Gegensatz zum herkömmlichen Kultur-Champignon benötigt der Mandelpilz exakt abgestimmte Temperaturzyklen, eine präzise gesteuerte Luftfeuchtigkeit und ein nährstoffreiches, sauberes Substrat, um seine Fruchtkörper optimal auszubilden. Heute befinden sich bedeutende Kultivierungsstätten unter anderem in Brasilien, Japan, China und Europa.
Warum gibt es so viele wissenschaftliche Studien zum ABM?
Seit den 1970er-Jahren gehört der Agaricus blazei Murrill zu den weltweit intensiv untersuchten Pilzarten. Ein wesentlicher Grund für das anhaltende Interesse der Fachwelt liegt in seiner biochemischen Zusammensetzung. Zahlreiche Forschungsarbeiten aus Japan, Brasilien, Südkorea und den USA beschäftigen sich eingehend mit der chemischen Struktur des Pilzes, seinen Eigenschaften als Lebensmittel sowie den Möglichkeiten einer standardisierten Kultivierung.
Im Fokus der biochemischen Grundlagenforschung stehen dabei vor allem die im Pilz enthaltenen Polysaccharide, insbesondere die spezifischen Kohlenhydratverbindungen Beta-1,3- und Beta-1,6-Glukane. Darüber hinaus enthält der Pilz Ergosterin, eine natürliche Vorstufe von Vitamin D2. Unter dem Einfluss von UV-Licht kann dieses Ergosterin im Fruchtkörper in Vitamin D2 umgewandelt werden.
Analysen des Agaricus blazei Murrill beschreiben zudem verschiedene Aminosäuren, Mineralstoffe wie Kalium und Magnesium sowie Spurenelemente (darunter Zink und Selen) als natürliche Bestandteile. Die genaue Zusammensetzung und Nährstoffdichte kann jedoch je nach verwendetem Anbausubstrat, den Umweltbedingungen während des Wachstums und der anschließenden Verarbeitung variieren.
Traditionelle Einordnung und dokumentierte Praxis
Obwohl der Agaricus blazei Murrill ursprünglich aus Südamerika stammt, fand er nach seiner Entdeckung auch im asiatischen Raum – insbesondere in Ländern mit einer ausgeprägten Tradition in der Pilzkunde wie Japan oder China – Beachtung.
In der Literatur zur Traditionellen Chinesischen Medizin sowie in Veröffentlichungen zur integrativen Medizin wird der Agaricus blazei Murrill gelegentlich im Zusammenhang mit traditionellen Ernährungskonzepten erwähnt. Die Einordnung erfolgt dabei je nach Land, Fachrichtung und historischem Kontext unterschiedlich. Auch im Rahmen von Konzepten der integrativen Medizin wird der ABM international immer wieder als Teil ernährungsphysiologischer Begleitmaßnahmen erwähnt, wenn es um die Dokumentation traditioneller Naturstoffe geht.
Qualitätsmerkmale bei Kulturspeisepilzen
Wie viele Pilzarten können auch Kulturspeisepilze Bestandteile aus ihrem Substrat und der Umgebungsluft aufnehmen. Deshalb legen viele Hersteller Wert auf kontrollierte Anbaubedingungen und regelmäßige Qualitätskontrollen. Wer Rohstoffe vergleichen möchte, orientiert sich meist an folgenden Parametern:
Zertifizierter Anbau: Ein lückenlos überwachter Anbau auf unbelasteten, standardisierten Nährböden stellt sicher, dass der Pilz frei von unerwünschten Umweltbelastungen wächst.
Schonende Trocknung: Um die sensiblen Inhaltsstoffe und thermolabilen Strukturen zu bewahren, erfolgt die Trocknung direkt nach der Ernte bei niedrigen, kontrollierten Temperaturen.
Transparente Deklaration: Sachliche Aufklärungen zeichnen sich dadurch aus, dass genau deklariert ist, welche Teile des Pilzes (z. B. der gesamte Fruchtkörper) verwendet wurden und dass auf den Einsatz von künstlichen Fließ- oder Füllstoffen verzichtet wurde.
Welche Unterschiede im Detail zwischen Vollspektrumprodukten und Extrakten bestehen und wie sich diese auf das natürliche Stoffwechselgefüge auswirken, erläutern wir ausführlich in unserem Grundlagenartikel https://naturbasis.de/vollspektrum-vitalpilze-unterschied/
Ist Agaricus blazei dasselbe wie ABM?
Ja. ABM ist die in Fachkreisen und im Handel gebräuchliche Abkürzung für den wissenschaftlichen Namen Agaricus blazei Murrill.
Warum wird der Pilz auch Mandelpilz genannt?
Der Name geht auf das charakteristische Aroma frischer Fruchtkörper zurück. Diese verströmen einen unverkennbaren Duft nach Mandeln bzw. Marzipan, der durch natürliche aromatische Verbindungen im Pilz entsteht.
Ist Agaricus blazei dasselbe wie Agaricus subrufescens?
Ja. Die unterschiedlichen wissenschaftlichen Namen gehen auf Anpassungen in der botanischen Einordnung (Taxonomie) zurück. In der heutigen wissenschaftlichen Literatur wird häufig Agaricus subrufescens verwendet, während im Handel und in älteren Publikationen die Bezeichnung Agaricus blazei Murrill dominiert.
Wo stammt der Pilz ursprünglich her?
Die ursprüngliche Heimat des Pilzes liegt in den subtropischen Regionen Brasiliens. Für den weltweiten Bedarf wird er heute unter kontrollierten Bedingungen in verschiedenen Ländern kultiviert.
Fazit
Ob man ihn nun als Agaricus blazei Murrill, Mandelpilz oder Sonnenpilz bezeichnet – hinter all diesen Begriffen verbirgt sich dieselbe botanische Art, die eine Brücke zwischen südamerikanischer Tradition und jahrzehntelanger, internationaler Mykologieforschung schlägt. Aufgrund seines wissenschaftlich interessanten Profils bildet der ABM einen festen Baustein in der modernen Mykologie.
Weiterführende wissenschaftliche Informationen finden sich unter anderem in den Datenbanken PubMed, NCBI, Index Fungorum und MycoBank. Ergänzende Informationen zu Nährstoffdaten und lebensmittelbezogenen Fragestellungen bieten unter anderem FoodData Central (USDA) sowie Veröffentlichungen der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA), soweit einschlägig.
Möchten Sie zunächst mehr über Vitalpilze im Allgemeinen erfahren? In unserem „Großen Ratgeber über Vitalpilze“ erklären wir, was Vitalpilze sind, wie sie wachsen, welche Qualitätsmerkmale wichtig sind und worauf Sie bei der Auswahl achten können. 👉 https://naturbasis.de/was-sind-vitalpilze/
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